Neuss – Das Straßenverkehrsamt des Rhein-Kreises Neuss wird künftig an zwei statt an vier Standorten arbeiten. Der Kreisausschuss beschloss in seiner Sitzung am 4. November, ein entsprechendes Konzept der Kreisverwaltung umzusetzen, teilte die Kreisverwaltung Rhein-Kreis Neuss mit. Bestehen bleiben die Dienststellen in Neuss und Grevenbroich. Die Dienststellen in Dormagen und Meerbusch sollen schrittweise aufgegeben werden, nach Möglichkeit bis zum 31. Dezember 2027.
Die Beschäftigten aus Dormagen und Meerbusch fallen nach Angaben der Verwaltung nicht weg, sondern arbeiten künftig an den verbleibenden Standorten. Der Kreis erwartet davon, dass sich Personal und Infrastruktur besser bündeln lassen, Ausfälle leichter aufgefangen werden und insgesamt mehr Termine angeboten werden können. Zugleich sollen die digitalen Angebote weiter wachsen. Landrätin Katharina Reinhold sagte, der Kreis setze damit um, was er zugesagt habe: „eine Aufgabenkritik mit Augenmaß und die Umsetzung der sich daraus ableitenden Maßnahmen“.
Begründung der Verwaltung
Nach Angaben des Kreises ist er derzeit der einzige Kreis in Nordrhein-Westfalen mit vier Dienststellen des Straßenverkehrsamtes. Das Kreisgebiet misst etwa 576 Quadratkilometer, dort leben ungefähr 458.000 Menschen. Zwei Standorte hält die Verwaltung damit für ausreichend. Kreise mit deutlich mehr Einwohnern oder vergleichbarer Fläche kämen mit ein bis zwei Standorten aus.
Schon jetzt finden 72,8 Prozent der gebuchten Termine in Neuss oder Grevenbroich statt; Dormagen kommt auf 19,8 Prozent, Meerbusch auf 7,3 Prozent. Wohnort und gewählte Dienststelle passen laut Straßenverkehrsamt oft nicht zusammen: In Meerbusch kommen nur 45 bis 50 Prozent der Terminbuchungen von Menschen mit Wohnsitz in Meerbusch, in Dormagen stammen rund 75 bis 80 Prozent der Vorgänge von außerhalb. Umgekehrt griffen auch Menschen aus Dormagen oder Meerbusch auf andere Standorte zurück. Für viele Kunden zähle bei der Buchung vor allem, wann ein Termin frei ist, nicht der Ort.
Reinhold erklärte, durch die Bündelung könnten die Mitarbeitenden flexibler eingesetzt und der Dienstbetrieb stabiler aufgestellt werden. Die Aufgabe der beiden Dienststellen bedeute nicht, dass dort eingesetzte Personalressourcen entfallen. Die Zahl der Termine könne insgesamt erhöht werden.
Dass für einen Teil der Kundschaft längere Wege entstehen können, räumt die Verwaltung ein. Laut Landrätin müssten Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Leistungen des Amtes in aller Regel nicht regelmäßig oder besonders häufig persönlich wahrnehmen. Zudem ließen sich immer mehr Zulassungsvorgänge vollständig digital erledigen.
Digitale Zulassung wächst, Bund will zentralisieren
Die Zahl der internetbasierten Zulassungsvorgänge (i-Kfz, einschließlich An-, Ab- und Ummeldung) stieg von 2024 (9749) bis 2026 (Prognose: 29.945) auf mehr als das Dreifache. Die Zahlen umfassen Privat- und Geschäftskunden. Zum 30. September 2026 wurde bereits mehr als jeder vierte Zulassungsvorgang (26,9 Prozent) digital abgewickelt, Tendenz steigend. Online erledigte Vorgänge ersparen den Weg zum Amt, außerdem sind die Gebühren im digitalen Verfahren günstiger.
Im Zuge der „Föderalen Modernisierungsagenda“ soll die i-Kfz-Zulassung künftig zentral beim Kraftfahrt-Bundesamt angeboten und bearbeitet werden, geplant ist, dies nach und nach ab Juli 2027 einzuführen. Dann wäre allein das Kraftfahrt-Bundesamt für diese Vorgänge zuständig. Weitere Teile der Kfz-Zulassung sollen bis Ende 2028 ebenfalls zentral laufen. Der Kreis rechnet deshalb je nach Verbreitung mit einem deutlichen Umbruch im Tagesgeschäft des Straßenverkehrsamtes.
Kosten und Organisation
Kleine Außenstellen haben laut Kreis strukturelle Grenzen: Nicht jede Dienstleistung gibt es an jedem Standort, für bestimmte Anliegen müssen Kunden schon jetzt nach Neuss oder Grevenbroich fahren. An kleinen Standorten sei es bei kurzfristigen Ausfällen schwieriger, die Mindestbesetzung zu sichern. Das verursache Koordinierungsaufwand und Dienstfahrten, hinzu komme, dass Dienstsiegel und weitere sicherheitsrelevante Arbeitsmittel an jedem Standort vorgehalten werden müssen. Nach Angaben der Verwaltung kostet ein Vorgang in Dormagen oder Meerbusch rund ein Fünftel mehr als in den größeren Dienststellen Neuss und Grevenbroich, weil die Standorte kleiner sind.
Reinhold zufolge rechnet die Verwaltung damit, den Haushalt jährlich um rund 128.000 Euro zu entlasten. Die Wirtschaftlichkeit sei aber nur ein Aspekt, wichtig sei die Gesamtbetrachtung: weniger Verwaltungs- und Koordinierungsaufwand, flexiblerer Personaleinsatz, mehr Servicetermine und gestärkte Standorte.
Die Eckdaten
- Verbleibende Dienststellen: Neuss und Grevenbroich
- Aufgabe der Dienststellen Dormagen und Meerbusch: schrittweise, nach Möglichkeit bis zum 31. Dezember 2027
- Beschluss des Kreisausschusses: 4. November
- Geplanter Start der zentralen i-Kfz-Zulassung beim Kraftfahrt-Bundesamt: ab Juli 2027
Unsere Meinung
Die Zahlen zur Herkunft der Kunden machen den Plan nachvollziehbar, vor allem in Dormagen. Offen bleibt, wie viele Menschen am Ende tatsächlich längere Wege haben und ob die versprochenen Zusatztermine spürbar ankommen. Die Mitteilung nennt dafür keine Zielgröße. Wer kann, spart sich den Weg ohnehin mit dem digitalen Verfahren.





