Moers – Wie die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Moers verlief, zeigt eine Führung durch die Ausstellung im Haus der Demokratiegeschichte. Sie beginnt am Sonntag, 8. November, um 14 Uhr im Alten Landratsamt am Kastell 5. Das Grafschafter Museum veranstaltet den Rundgang, wie die Stadt Moers mitteilte. Eintritt und Teilnahme kosten nichts. Dabei werden die Lebenswege jüdischer Menschen in Moers nachgezeichnet. Die Führung gehört zum Demokratiemonat 2026, den das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ fördert.
Was 1938 in Moers geschah
Im ganzen Reich plünderte und demolierte in jener Nacht ein von Nationalsozialisten angeleiteter Mob. Ziel waren Synagogen sowie jüdische Läden und Wohnungen, zahlreiche Gotteshäuser gingen in Flammen auf. In der Moerser Innenstadt beschädigten die Täter jüdische Geschäfte und Häuser. Zerstört wurden zum Beispiel die Ladenlokale Buschhoff Textilwaren in der Kirchstraße und Schmerler Schuhwaren in der Steinstraße. Die Waren warf man auf die Straße.
Beschädigt wurde auch das Haus der Familie Isaak Kaufmann in der Burgstraße. Bei Dr. Hermann Bähr, Vorsteher der Synagogengemeinde Moers und praktischer Arzt, schlugen die Angreifer die Scheiben ein. SA-Leute zwangen ihn, die Scherben aufzufegen, während Schaulustige zusahen, und misshandelten ihn mit Fußtritten. Mehrere jüdische Männer aus Moers nahm man fest. Sie kamen ins KZ Dachau und wurden dort in „Schutzhaft“ gehalten.
Die Synagoge in der Friedrichstraße
Früh am Morgen des 10. November drangen die Täter in die Synagoge ein und zertrümmerten Fenster und Einrichtung. Sie schändeten und verschleppten Kultgegenstände und verbrannten die Tora-Rollen. Den Eingang vernagelten sie mit Brettern und beschmierten ihn mit der Aufschrift „Der Talmud-Stall ist für immer geschlossen.“ Angezündet wurde das Gebäude nicht, weil es unmittelbar an Wohnhäuser grenzte.
Seit 1933 hatten viele jüdische Menschen in Moers darauf gesetzt, dass der „nationalsozialistische Spuk“ bald endet. Mit dem Novemberpogrom 1938 kam die Wende. Viele erkannten nun, dass nur die Flucht sie retten konnte.
Die Eckdaten
- Termin: Sonntag, 8. November, 14 Uhr
- Veranstaltungsort ist das Haus der Demokratiegeschichte im Alten Landratsamt, Kastell 5
- Veranstalter: Grafschafter Museum
- Kosten: Eintritt und Teilnahme kostenlos
Unsere Meinung
Die Führung verbindet die Ereignisse mit konkreten Moerser Straßen, Geschäften und Menschen. Das macht greifbar, dass der Pogrom auch vor der eigenen Haustür stattfand. Dass der Eintritt frei ist, senkt die Hürde zur Teilnahme. Die Mitteilung nennt keine Anmeldung, offen bleibt daher, ob man sich vorab melden muss.





