Goch – Die Kinderarztpraxis des MVZ Goch nimmt ab sofort wieder neue Patienten auf. Das sagte Petra Verhülsdonk im Gespräch mit Bürgermeister Stephan Luyven. Sie verstärkt die Geschäftsführung der kommunalen MVZ Goch GmbH, wie die Stadt Goch mitteilte.
Verhülsdonk gehört der Geschäftsführung seit dem 1. September 2026 an. Bis zum Jahresende leitet sie die Gesellschaft zusammen mit dem bisherigen Geschäftsführer Ulrich Knickrehm. Ab dem 1. Januar 2027 trägt sie die alleinige Verantwortung. Die Stadt beschreibt sie als erfahrene Gesundheitsmanagerin, die sich mit Medizinischen Versorgungszentren und ambulanten Versorgungsstrukturen auskennt.
Neue Kinder willkommen
Nach der Eröffnung der Kinderarztpraxis hätten viele Eltern eine Absage erhalten, räumte Verhülsdonk ein. Sie könne verstehen, dass die Familien enttäuscht waren, und habe das sofort ändern wollen. Mit dem Praxisteam prüfte sie in den vergangenen Wochen Strukturen und Abläufe und stellte die Praxisorganisation neu auf. Dadurch seien zusätzliche Behandlungskapazitäten entstanden. Verhülsdonk sagte: „Wir nehmen wieder neue Kinder auf und freuen uns auf viele kleine Patientinnen und Patienten aus Goch und der Region“.
Das MVZ heute
Die Gesellschaft hat derzeit 7,5 Vertragsarztsitze, verteilt auf zwei Standorte. Am Hauptstandort am Klosterplatz 16 arbeiten vier Hausärzte und zwei Kinderärzte. Die Zweigpraxis an der Voßstraße 57 beherbergt das Diabeteszentrum mit zwei angestellten Fachärzten. Insgesamt sind im MVZ acht Ärztinnen und Ärzte beschäftigt.
Ziele der neuen Geschäftsführerin
Verhülsdonk dankte Herrn Knickrehm sowie Frau Theissen und Frau Gansen. Ihnen sei es gelungen, in kurzer Zeit ein kommunales MVZ aufzubauen und damit ein Fundament für die ambulante Versorgung in Goch zu legen. Darauf wolle sie mit den Ärztinnen und Ärzten und allen Mitarbeitenden aufbauen.
Der kommunale Versorgungsauftrag war nach ihren Worten ein wichtiger Grund für den Wechsel. Wegen des demografischen Wandels und des zunehmenden Ärztemangels im ländlichen Raum brauche es Strukturen, die eine wohnortnahe ambulante Versorgung langfristig sichern. Ein kommunales MVZ erfülle einen Auftrag der Daseinsvorsorge, die Versorgung vor Ort stehe im Mittelpunkt. Wirtschaftlich müsse das MVZ trotzdem tragfähig sein. Gewinnmaximierung strebe sie nicht an, perspektivisch solle aber die schwarze Null erreicht werden.
Unter dem Leitgedanken „Zukunft gemeinsam gestalten“ will sie das MVZ zu einem starken regionalen Gesundheitsanbieter entwickeln. Sie sieht sich dabei vor allem als Brückenbauerin zwischen den verschiedenen Akteuren der Gesundheitsversorgung. Allein ließen sich die Herausforderungen der ambulanten Versorgung nicht bewältigen. Nötig seien Netzwerke und Zusammenarbeit mit der niedergelassenen Ärzteschaft, der Kassenärztlichen Vereinigung, Kommunen, Kliniken, Kostenträgern und weiteren Partnern. Außerdem nannte sie den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern der Region. Vorhandene Kompetenzen und Strukturen will sie zusammenführen und neue Versorgungsperspektiven entwickeln.
In den ersten Monaten liegt ein weiterer Schwerpunkt auf den internen Strukturen und Prozessen. Das MVZ sei innerhalb kurzer Zeit deutlich gewachsen. Die Strukturen weiter zusammenzuführen und mit den Mitarbeitenden eine eigene Identität als kommunales MVZ zu entwickeln, zählt sie zu ihren ersten Aufgaben. Die Mitarbeitenden nannte sie den entscheidenden Schlüssel: „Zukunft gemeinsam gestalten beginnt für mich deshalb auch im eigenen Team.“ Ärztinnen und Ärzte zu gewinnen und dauerhaft zu halten, bleibe angesichts des Ärztemangels ein wichtiges Zukunftsthema.
Berufserfahrung
Verhülsdonk ist seit mehr als 36 Jahren im Gesundheitswesen tätig, seit vielen Jahren mit Schwerpunkt auf der ambulanten Medizin. Mehr als 20 Jahre arbeitete sie bei der Kassenärztlichen Vereinigung, unter anderem als Geschäftsstellenleiterin eines Zulassungsausschusses und als betriebswirtschaftliche Beraterin für Ärztinnen und Ärzte. Seit mehr als 15 Jahren berät sie zudem selbstständig im Gesundheitswesen.
In einem großen Gesundheitskonzern führte sie mehrere MVZ-Gesellschaften und war für ambulante Strukturen an mehr als 20 Standorten zuständig, an denen über 70 Ärztinnen und Ärzte angestellt waren. Zuletzt stand sie dem ambulanten Bereich eines Klinikums der Maximalversorgung vor. Dort entwickelte sie unter anderem eine ambulante Strategie, die zur übergeordneten Medizinstrategie des Klinikums passen sollte. Privat lebt sie inzwischen am linken Niederrhein und möchte die Versorgung in ihrer neuen Heimatregion mitgestalten.
Die Eckdaten
- Neue Geschäftsführerin: Petra Verhülsdonk, seit 1. September 2026 in der Geschäftsführung
- Alleinige Geschäftsführung: ab 1. Januar 2027
- Hauptstandort: Klosterplatz 16 (Hausärzte und Kinderärzte)
- Zweigpraxis: Voßstraße 57 (Diabeteszentrum)
- Kinderarztpraxis: nimmt wieder neue Kinder auf
Unsere Meinung
Für Familien zählt vor allem die Aufnahme neuer Kinder, denn viele Eltern waren nach den Absagen enttäuscht. Die Geschäftsführerin benennt das Problem offen. Wie viele zusätzliche Plätze es gibt und wie Eltern sich anmelden, steht in der Mitteilung nicht. Das sollte das MVZ rasch nachliefern. Das Ziel, perspektivisch die Kosten zu decken, bleibt vorerst eine Absichtserklärung.




