Dormagen – Die Stadt Dormagen hat zur Mitte ihres zweiten Aktionsplans im Programm „Kinderfreundliche Kommunen“ Zwischenbilanz gezogen. Im Oktober trafen sich dazu Vertreterinnen und Vertreter des Vereins Kinderfreundliche Kommunen e. V., externe Sachverständige und Mitarbeitende der Stadtverwaltung, teilte die Stadt Dormagen mit. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie weit die Stadt dabei ist, Kinderrechte zu festigen und junge Menschen stärker an Entscheidungen vor Ort zu beteiligen.
Erik Lierenfeld, der Bürgermeister, erklärte: „Kinderfreundlichkeit zeigt sich vor allem darin, dass wir Kinder und Jugendliche ernst nehmen und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Stadt aktiv mitzugestalten.“ Die Stadt wolle die Beteiligung weiter verbessern und dauerhaft in ihren Abläufen verankern.
Zwölf Ziele sind im zweiten Aktionsplan enthalten. Sie sollen vor allem Kinderrechte innerhalb der Verwaltung strukturell verankern und die Beteiligung junger Menschen ausbauen. Junge Menschen sollen stärker mitreden können, wenn die Stadt plant und gestaltet, und auch in politischen Prozessen.
In den vergangenen anderthalb Jahren bot die Stadt regelmäßig Graffitiprojekte an und führte verschiedene Beteiligungsaktionen bei Spielplatz- und Stadtplanungsprojekten durch. Derzeit entsteht ein Beteiligungskonzept, das Regeln und Verfahren innerhalb der Verwaltung festschreiben soll.
An nahezu allen Grundschulen gibt es inzwischen Gremien wie Schulparlamente, in denen Kinder ihre Anliegen einbringen. Sie sollen künftig enger mit dem städtischen Kinderparlament und mit kommunalen Planungs- und politischen Prozessen verknüpft werden.
Beim Halbzeitgespräch kamen auch Herausforderungen zur Sprache, darunter zusätzliche organisatorische Anforderungen und viel Zeit- und Formalaufwand. Für die zweite Programmhälfte will die Stadt die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen strukturell weiterentwickeln, die Aufgaben der Beauftragten klar verteilen und die Beteiligungsprozesse verbessern.
Seit dem 1. Januar 2025 trägt Dormagen erneut den Titel „Kinderfreundliche Kommune“, verliehen auf der Basis des zweiten Aktionsplans. Der Halbzeitbericht ging im September fristgerecht beim Verein ein und wurde dem Jugendhilfeausschuss vorgelegt. Für die offenen Ziele bleiben der Stadt weitere anderthalb Jahre. Danach kann Dormagen einen Antrag auf Entfristung stellen; das Siegel ließe sich dann bei Einhaltung gemeinsamer Standards dauerhaft führen.
Nach Angaben der Stadt Dormagen steht hinter dem Programm „Kinderfreundliche Kommunen“ die Trägerschaft von UNICEF Deutschland sowie des Deutschen Kinderhilfswerks. Städte, Gemeinden und mittlerweile ebenso Landkreise erhalten vom Verein „Kinderfreundliche Kommunen e.V.“ Unterstützung dabei, die Kinderrechte vor Ort zu verwirklichen.
Nach Angaben von Wikipedia zeichnet der Verein Kommunen aus, die für die lokale Umsetzung der Kinderrechte verbindliche Ziele und einen Aktionsplan entwickeln. Mit der Auszeichnung beginne eine dreijährige Umsetzungsphase, danach werde ein weiterer Aktionsplan beschlossen. Wie viel Geld die Kommune für die Maßnahmen ausgibt, bestimme allein sie.
Der Ablauf sieht laut Wikipedia nach der Hälfte der Umsetzungsphase ein Halbzeitgespräch vor, bei dem sich Sachverständige und Vereinsmitglieder mit Kindern, Jugendlichen und der Verwaltung vor Ort austauschen. Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen soll bei allen Schritten beachtet werden.
Dormagen ist seit 2020 Mitglied im Programm. Im Januar 2025 meldete die Stadt, die Auszeichnung sei um drei Jahre verlängert worden. Nach Angaben der Stadt sieht der zweite Aktionsplan vor, dass jede Grundschule ein eigenes Schülerparlament erhält.
Unsere Meinung
Die Stadt benennt offen, dass Beteiligung Aufwand bedeutet, und das macht die Bilanz glaubwürdiger. Offen bleibt, welche der Ziele schon erreicht sind und wie Kinder selbst die bisherigen Angebote erleben. Interessant wird, ob das Beteiligungskonzept die Mitsprache verlässlich in den Verwaltungsalltag bringt.




