Düsseldorf – Nach zehn Jahren zogen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen Bilanz zum gemeinsamen Naturschutzprojekt „Atlantische Sandlandschaften“. Das teilte das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr NRW mit. Bei der Abschlussveranstaltung des EU-LIFE-Projekts stellten beide Länder ihre Ergebnisse vor: Seit 2016 setzten sie 196 Maßnahmen um. Von den Maßnahmen erfasst sind 15 Lebensraumtypen sowie zehn Fokus-Arten, die für die atlantische Region von Bedeutung sind. Davon liegen 80 in Nordrhein-Westfalen, wo vor allem Moore im Fokus standen.
Was in Nordrhein-Westfalen entstand
In der Ohligser Heide in Solingen legten die Projektpartner ein neues Stillgewässer für die Große Moosjungfer an. Im Further Moor verbesserten sie den Moorlebensraum. Moore setzte das Projekt in den Mittelpunkt, weil sie wichtige Kohlenstoffspeicher sind und seltenen Arten Rückzugsräume bieten.
Für den weiteren Moorschutz entstand der neue Mooratlas Nordrhein-Westfalen. Er liefert eine aktuelle Datengrundlage auch für mögliche Wiedervernässungen. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK) gibt an, dass in Nordrhein-Westfalen potenziell Moorböden auf einer Fläche von bis zu 38.000 Hektar wiedervernässt werden könnten.
Außerdem führte das Projekt die Erhaltungszucht der Knoblauchkröte fort. Aufgebaut hatte sie das Vorgängerprojekt „Schutz der Knoblauchkröte in Teilen des Münsterlandes“, ebenfalls ein LIFE-Projekt. In mehreren Gebieten wurden die Nachzuchten wieder ausgewildert.
Was in Niedersachsen geschah
Dort brachte der Landesbetrieb NLWKN, beauftragt vom Umweltministerium, 116 Naturschutzvorhaben auf den Weg. Ein Beispiel ist die Steller Heide im Landkreis Diepholz: Dort wurden kleine Binnendünen wieder freigelegt. Jedes Vorhaben ist an Partner vor Ort gebunden, die die Flächen künftig pflegen und weiterentwickeln, etwa Untere Naturschutzbehörden, ökologische Stationen, die Niedersächsischen Landesforsten oder Naturschutzverbände. Der NLWKN beriet sie als Fachbehörde und unterstützte sie bei Planung, Ausschreibung, Umsetzung und Monitoring.
Lebensräume und Arten
In Deutschland erstreckt sich die atlantische Region über rund 70.000 Quadratkilometer, wobei ein großer Teil dieser Fläche auf beide Länder entfällt. Entwässerung, Nährstoffeinträge, invasive Arten und der Klimawandel belasten die Lebensräume. Aufgewertet wurden daher etwa Heiden verschiedener Feuchtegrade, Borstgrasrasen, Dünen und mehrere Arten von Mooren. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei unter anderem der Knoblauchkröte, der Kreuzkröte, dem Moorfrosch, der Zauneidechse und der Großen Moosjungfer.
Staatssekretär Viktor Haase betonte: „Kröten, Eidechsen oder Libellen halten sich nicht an Landesgrenzen und genauso wenig darf es der Naturschutz.“ Niedersachsens Umwelt-Staatssekretärin Anka Dobslaw erklärte, das Projekt zeige, wie eine langjährig gesicherte Finanzierung Naturschutzprojekte erfolgreich voranbringen könne. Sie dankte allen Beteiligten für ihren Einsatz.
Finanzierung und Ausblick
Insgesamt stehen für das Projekt rund 16,8 Millionen Euro zur Verfügung. Rund 10,1 Millionen Euro steuert die EU bei, während Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen je rund 3,4 Millionen Euro finanzieren. Darüber hinaus warb das Projekt umfangreiche weitere Finanzierungsmittel ein.
Mit Landesmitteln hat Nordrhein-Westfalen seit 1997 insgesamt 42 LIFE-Naturschutzprojekte mitfinanziert. Bei den „Atlantischen Sandlandschaften“ ist das Umweltministerium erstmals selbst Träger. Beide Länder wollen erreichen, dass LIFE auch in der kommenden EU-Förderperiode ein eigenständiges Instrument für Natur- und Umweltschutz bleibt.
Es ist das erste integrierte LIFE-Natur-Projekt in Deutschland und wurde 2018 von der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Das nordrhein-westfälische Umweltministerium koordiniert es als Projektträger, das niedersächsische Umweltministerium ist Partner. Auf nordrhein-westfälischer Seite führt die Bezirksregierung Münster die Maßnahmen zusammen mit dem LANUK, Biologischen Stationen und anderen Partnern durch.
Die Eckdaten
- Projektlaufzeit: seit dem 1. Oktober 2016, vorgesehen bis zum 30. September 2026
- Nordrhein-Westfalen verlängert das Projekt um ein Jahr für zusätzliche Maßnahmen
- Niedersachsen beendet die Arbeiten in der Fläche planmäßig 2026; bis zum Projektende folgen dort nur noch konzeptionelle Arbeiten
- Orte der Maßnahmen: Ohligser Heide in Solingen, Further Moor, Steller Heide im Landkreis Diepholz
Unsere Meinung
Die Mitteilung zeigt vor allem, dass dauerhafte Finanzierung und Partner vor Ort den Unterschied machen. Offen bleibt, wie gut die Flächen ohne die Projektmittel langfristig gepflegt werden. Auch zum Erfolg der Wiederansiedlungen nennt die Mitteilung keine Ergebnisse. Für Interessierte lohnt ein Blick in die genannten Gebiete.





