Wer wissen will, wie weit der Solarausbau in der eigenen Stadt ist, findet die Antwort im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Das Register erfasst für Stromerzeugungsanlagen unter anderem Leistung, Standort und Energieträger, und die meisten Daten sind öffentlich einsehbar.
Für Leser am Niederrhein heißt das: Die Zahlen sind öffentlich, sie hängen aber davon ab, dass Betreiber ihre Anlagen melden. Laut einem Bericht des NRW-Wirtschaftsministeriums haben Betreiber dafür einen Monat Zeit, und nachträgliche Prüfungen der Netzbetreiber ändern den Bestand auch später noch.
Landesweit mehr als 850.000 Anlagen an Gebäuden
Nach dem Monitoringbericht, den das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK) für das Wirtschaftsministerium erstellt hat, waren in Nordrhein-Westfalen Ende 2024 mehr als 850.000 gebäudegebundene Anlagen in Betrieb. Dazu zählt der Bericht Dachanlagen, Fassadenanlagen und Steckersolargeräte; zusammen kamen sie auf rund 11,3 Gigawatt.
Solarparks auf freier Fläche spielen dagegen eine Nebenrolle. Ende 2024 standen laut Bericht 430 Solarparks ab 100 Kilowatt im Land, zusammen knapp 731 Megawatt. Das entsprach rund 6 Prozent der gesamten Solarleistung von 12,0 Gigawatt.
Kreis Kleve: viel Leistung auf Dächern, noch mehr Potenzial
Am genauesten schlüsselt der Kreis Kleve seine Zahlen auf. In einer Planungshilfe für Städte und Gemeinden nennt die Kreisverwaltung rund 454 Megawatt an Leistung auf Dächern, die nach Auswertung des Registers bis Ende 2024 installiert war. Das Solarkataster des Landes weist für Dachanlagen im Kreis ein Potenzial von 2.352 Megawatt aus.
Rechnerisch ist damit knapp ein Fünftel des Dachpotenzials genutzt; die Verwaltung selbst sieht ein sehr großes verbleibendes Potenzial. Ein Dashboard des Kreises zeigt den Ausbau der Photovoltaik getrennt für jede Kommune.
Ein Faltblatt des Kreises nennt mehr als 27.000 Anlagen, die erneuerbaren Strom einspeisen, die Photovoltaik steuert dabei 443 Gigawattstunden bei. Mit Wind und Biomasse liegt der Anteil erneuerbarer Energien im Kreis laut Energieatlas NRW bei rund 69 Prozent, Stand 2024.
Solarparks: Kleve vorn, Großstädte fast ohne Freiflächen
Bei Freiflächenanlagen ab 100 Kilowatt liegt der Kreis Kleve am Niederrhein ebenfalls vorn. Der Landesbericht zählt dort Ende 2024 17 Anlagen mit 33,1 Megawatt, im Kreis Wesel 9 Anlagen mit 20,2 Megawatt und im Rhein-Kreis Neuss 10 Anlagen mit 10,8 Megawatt.
Im Kreis Viersen sind es 3 Anlagen mit 3,1 Megawatt, im Kreis Mettmann 2 Anlagen mit 4,1 Megawatt. Düsseldorf kommt auf 1 Anlage mit 2,0 Megawatt. Krefeld, Mönchengladbach, Wuppertal, Solingen und Remscheid führt die Tabelle ohne eine Freiflächenanlage dieser Größe.
Für die gesamte Planungsregion Düsseldorf nennt der Bericht 33 Anlagen mit 53,1 Megawatt, für die Planungsregion Köln 267,9 Megawatt.
Die Landeshauptstadt setzt bei den eigenen Gebäuden auf Dächer. Für ihre Solaroffensive hat die Stadt nach einer Pressemitteilung vom 15.08.2023 insgesamt 342 Schulen und Kitas untersucht. Nach der damaligen Analyse ließen sich 282 Dächer nachrüsten, abgeschlossen sein soll das bis 2030.
Was für Bauherren und Hausbesitzer gilt
Nach Angaben des Kreises Viersen verlangt die Landesbauordnung bei Wohngebäuden auf geeigneten Dachflächen eine Photovoltaikanlage, sofern der Bauantrag nach dem 1. Januar 2025 gestellt wurde. Für Nichtwohngebäude gilt das schon bei Anträgen nach dem 1. Januar 2024.
Die Pflicht greift auch, wenn bei einem bestehenden Gebäude die Dachhaut vollständig erneuert wird und die Arbeiten 2026 oder später begonnen haben. Einzelheiten regelt die Solaranlagen-Verordnung des Landes.
Wer eine Anlage in Betrieb nimmt, muss sie beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister anmelden. Die Netzanmeldung erledigt meist der Installationsbetrieb, den Registereintrag können Betreiber laut Kreisverwaltung auch selbst vornehmen.
Auf einen Blick
- Marktstammdatenregister: seit Januar 2019 für die Öffentlichkeit online
- Ausbaustatistik der Bundesnetzagentur: monatlich, in der Regel am 15. eines Monats
- Ertrag fürs eigene Dach abschätzen: Solarkataster des LANUK
- Kostenlose Telefonberatung im Kreis Kleve: gemeinsam mit der Verbraucherzentrale NRW
- Ziel des Landes bis 2030: Photovoltaik mit 21 bis 27 Gigawatt
Eigene Einschätzung
Die Daten liegen offen, verteilen sich aber auf Register, Landesberichte und einzelne Kreisseiten. Der Kreis Kleve zeigt, wie eine verständliche Aufbereitung je Kommune aussehen kann, und andere Kreise am Niederrhein sollten das übernehmen. Wer ein eigenes Dach belegen will, sollte vor dem ersten Angebot das Solarkataster befragen und eine unabhängige Beratung nutzen, statt sich allein auf Verkaufsgespräche zu verlassen.
Quellen
- Solaranlagen auf Gebäuden | Kreis Kleve (abgerufen am 21.10.2026)
- Kreis Kleve bereitet Daten zum Ausbau erneuerbarer Energien auf | Kreis Kleve (abgerufen am 21.10.2026)
- Wissenswertes rund um Photovoltaik | Kreis Viersen (abgerufen am 21.10.2026)
- Solaroffensive in Düsseldorf: Nachrüstung bei Schulen und Kitas – Landeshauptstadt Düsseldorf (abgerufen am 21.10.2026)
- Wirtschaftsministerium NRW: Monitoringbericht Freiflächen-PV 2024 (PDF) (abgerufen am 21.10.2026)
- Kreis Kleve: Klima und Solar 2025 (PDF) (abgerufen am 21.10.2026)
- Kreis Kleve: Planungsunterstützung PV-Freiflächenanlagen (PDF) (abgerufen am 21.10.2026)
- Nordrhein-Westfalen liefert: Mehr Solarstrom für alle – neue Förderung für Photovoltaik auf Mehrparteienhäusern | Wirtschaft NRW (abgerufen am 21.10.2026)
- Bundesnetzagentur – Marktstammdatenregister (abgerufen am 21.10.2026)
Die Redaktion hat diesen Beitrag mit KI-Unterstützung recherchiert und geschrieben. Jede Zahl und jede Tatsachenangabe wurde vor der Veröffentlichung mit der genannten Quelle abgeglichen. Die „Eigene Einschätzung“ ist ein Kommentar der Redaktion.





