Dormagen – Die Gedenkfeier zur Reichspogromnacht findet am Montag, 9. November, um 18 Uhr statt, und zwar am jüdischen Friedhof in Dormagen (Krefelder Straße). Das teilte die Stadt Dormagen mit. Beiträge bereiten Jugendliche folgender Schulen vor: der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule, dem Leibniz-Gymnasium Hackenbroich und dem Bettina-von-Arnim-Gymnasium Dormagen. Bürgermeister Erik Lierenfeld hält die offizielle Ansprache. Ein Gebet spricht Regina Nawrot vom Partnerschaftsverein Dormagen-Kiryat Ono.
Die Stadt verweist auf aktuelle Zahlen: Der Bundesverband RIAS (Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus) dokumentierte für das Jahr 2025 bundesweit 8.725 antisemitische Vorfälle. Rechnerisch seien das knapp 24 Vorfälle an jedem Tag. Vor diesem Hintergrund sei die Gedenkfeier umso wichtiger.
Was 1938 in Dormagen geschah
Am 9. November jährt sich die Reichspogromnacht zum 88. Mal. Die Nationalsozialisten zündeten damals in ganz Deutschland jüdische Synagogen, Schaufenster und Wohnhäuser an oder demolierten sie. Auch in Dormagen gingen in der Nacht zum 10. November 1938 die Scheiben jüdischer Geschäfte und Wohnhäuser zu Bruch. Betroffen waren mehrere Familien, die in der Innenstadt lebten.
Die Familie von Louis Dahl betrieb auf der Kölner Straße eine Metzgerei, die für die damalige Zeit schon modern mit Marmortheke und Kacheln ausgestattet war. SA und Dormagener Bürger plünderten und zerstörten das Geschäft, danach musste die Familie es schließen. Nachbarn übernahmen den Laden für einen minimalen Preis, der der Familie nie ausgezahlt wurde. Die Juden, die damals noch in Dormagen lebten, wurden in der Reichspogromnacht verhaftet.
Aus Respekt vor der jüdischen Tradition werden männliche Besucher gebeten, auf dem Friedhof eine passende Kopfbedeckung zu tragen. Der Partnerschaftsverein Kiryat-Ono richtet die Feier gemeinsam mit dem städtischen Kulturbüro aus. Er hält eine begrenzte Zahl von Kippot bereit, die sich bei Bedarf für die Veranstaltung ausleihen lassen.
Die Eckdaten
- Termin: Montag, 9. November, 18 Uhr
- Ort: jüdischer Friedhof, Krefelder Straße, Dormagen
- Kopfbedeckung für männliche Besucher erbeten, Kippa-Kopfbedeckungen zum Ausleihen vorhanden
- Wer Fragen hat, erreicht das städtische Kulturbüro unter 02133 257 4110
Unsere Meinung
Dass Schülerinnen und Schüler die Feier mitgestalten, verbindet die Geschichte des Ortes mit der Gegenwart. Das Beispiel der Familie Dahl macht die damaligen Ereignisse vor Ort anschaulich. Wer teilnehmen will, sollte an die Kopfbedeckung denken.





